Rauwolfia serpentina
Merkmale
Etwa 50 cm hoher Strauch mit spitzeiförmigen Blättern, kleinen weissen oder rosafarbenen Blüten und roten, bei der Reife schwarzen Beeren. Auch die Arten R. vomitoria aus Westafrika und R. tetraphylla aus Mittel- und Südamerika sind Drogenlieferanten.
Botanischer Namen
Schlangenwurz: Rauvolfia serpentina (syn. Ophioxylon obversum, O. salutiferum, O. serpentinum, Rauvolfia obversa, R. trifoliata)
Vorkommen
Pakistan, Indien bis Indonesien. Wegen Gefährdung der Wildbestände wurde der Export in Indien 1997 verboten. R. vomitoria aus Afrika ist mittlerweile eine wichtige alternative Quelle für Reserpin.
Verwendete Pflanzenteile
Rauwolfiae radix (Radix Rauwolfiae); Indische Schlangenwurzel (syn. Rauwolfiawurzel), die getrockneten Wurzeln.
Anwendung
Bei leichtem Bluthochdruck und als Beruhigungsmittel bei Angst- und Spannungszuständen sowie Schizophrenie. Zahlreiche traditionelle Anwendungen, z. B. bei Insektenbissen, Darmträgheit, Schlaflosigkeit, Lebererkrankungen und Rheuma.
In der indischen Volksheilkunde diente die Droge seit Jahrhunderten als Mittel gegen Schlangenbisse, Insektenstiche, Fieber, Durchfall und später auch gegen Epilepsie und Bluthochdruck. Den Gattungsnamen Rauvolfia gab der französische Botaniker Plumier im Jahre 1703 anlässlich einer neu entdeckten Apocynaceengattung zu Ehren des Augsburger Arztes und Botanikers Leonhard Rauwolf. Die heutige Schreibweise Rauvolfia entspricht der Erstveröffentlichung.
Dosierung
Tagesdosis: 600 mg gemahlene Wurzel (bzw. 6 mg Gesamtalkaloid).
Wirkstoffe
Bis zu 60 verschiedene Monoterpen-Indolalkaloide (1–2 %) des Yohimban-, Heteroyohimban-, Sarpagan- und Ajmalantyps. Die wichtigsten blutdrucksenkenden Alkaloide sind Reserpin und Rescinnamin (= Reserpinin). Weitere wichtige Alkaloide sind Serpentin, Ajmalicin und Ajmalin.
Pharmakologie
Reserpin hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin in die synaptischen Vesikel von noradrenergen Neuronen. Der Neurotransmitter wird deshalb durch die Enzyme MAO und COMT abgebaut und ist nicht länger verfügbar. So erklärt sich auch die Wirkung gegen Bluthochdruck: Der Katecholaminvorrat in den peripheren Körpergeweben wird erschöpft, während die sedierenden Effekte dem Abbau des Noradrenalin und Serotonin im Gehirn zugeschrieben werden. Gefässerweiterung und erniedrigter Blutdruck oder zentrale Sedierung sind die Folge. Die Anwendung hei leichter essenzieller Hypertonie wird durch klinische Befunde gestützt.
Warnung
Die Alkaloide können zu Depressionen führen, die noch lange nach dem Ende der Therapie anhalten können. Patienten mit einer Vorgeschichte von Depression und Selbstmordgefährdung sollten nicht mit diesen Alkaloiden behandelt werden.
Homöopathie
Rauwolfia serpentina HAB 1; Indische Schlangenwurzel, die getrockneten Wurzeln. Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Zentralnervensystems (Verstimmungszustände), des Herzens und des arteriellen Gefässsystems (Bluthochdruck).