Blatt oder Rinde, Kräutertee oder Tinktur?
Zubereitungen der Heilpflanzen
Bei der Verwendung von Heilpflanzen ist es nicht unerheblich, welcher Pflanzenteil verwendet wird. Verwendet werden je nach Wirkstoff und Pflanze die unterschiedlichsten Pflanzenteile: Blüten, Blätter, Kraut, Holz, Rinde, Wurzeln oder die Früchte. Doch dann kommt es darauf an, gezielt die Teile heraussuchen, die den gewünschten Wirkstoff enthalten und wenig andere,. möglciherweise Nebenwirkungen auslösende Substanzen. Gerbstoffe beispielsweise sind vorwiegend in Rinden, Wurzeln und Fruchtschalen verschiedenster Pflanzen enthalten. In den Blüten derselben Pflanze sucht man sie dagegen vergeblich.
Auch die Art der Anwendung ist entscheidend: Einige Inhaltsstoffe, wie beispielsweise die Solanine, dürfen nur äusserlich angewendet werden, bei Aufnahme wären sie zu giftig. Andere wiederum würden bei rein äußerlicher Anwendung keine Wirkung zeigen.
Die Heilpflanzen werden in Form von Tees, Presssäften, Inhalationen, als Tinktur, Dragee oder als Bad angewendet und müssen entsprechend zubereitet werden. Dazu werden die Pflanzen frisch gepresst oder zunächst getrocknet, zerkleinert und zum Teil pulverisiert. Die getrockeneten Pflanzenteile nennt man Arzneidrogen oder kurz Drogen.
Für Inhalationen oder Tees werden durch Überbrühen der frischen oder getrockneten Pflanzen mit kochendem Wasser die wasserlöslichen Wirksubstanzen herausgelöst. Ätherische Öle und Vitamine gehen teilweise verloren, fettlösliche Substanzen werden schlechter als wasserlösliche extrahiert. Bei Pflanzen mit hitzeempflindlichen Inhaltsstoffen und bei schleimhaltigen Drogen lässt man die Pflanzen 12 bis 24 Stunden mit kaltem Wasser ziehen. Die Extraktion der Wirkstoffe ist im Vergleich zu heißen Aufguss beim Tee nicht so vollständig.
Wurzeln, Rinden und bestimmte Samen werden durch Abkochen zubereitet. Dabei wird die Droge zunächst kalt angesetzt und anschliessend für zehn bis 30 Minuten gekocht.
Für eine Tinktur fertigt man ein Alkohol-, Wein- oder Essig-Extrakt an, d.h. man lässt die Pflanzenteile einige Tage in diesem Lösungsmittel ziehen und schüttelt mehrmals täglich um. Dadurch gehen die Wirkstoffe in das Lösungsmittel über. Verdampft man das Lösungsmittel eines solchen Extraktes, erhält man ein Trockenextrakt, das dem Patienten nach weiterer Verarbeitung in Form von Tabletten oder Dragees verabreicht wird.
Bachblüten und Homöopathie
Einsatz von Pflanzenmitteln in verschiedenen Therapierichtungen
Pflanzenwirkstoffe werden heute in vielen Bereichen der Heilkunde verwendet: Phytotherapie, Naturheilkunde, Homöopathie, alternative Heilverfahren - die Begriffe gehen oft durcheinander. Gleichzeitig weckt die Anwendung von Heilpflanzen oft die Assoziation „sanfter", nicht ernst zu nehmender Medizin oder wird dem Bereich der Scharlatanerie zugeordnet. Doch auch pflanziliche Arzneimittel müssen nicht immer harmlos sein. Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten treten bei ihnen genauso auf wie auch bei chemisch hergestellten Wirkstoffen.
In der Schulmedizin
In immer mehr Arztpraxen der klassisch-naturwissenschaftlichen Medizin werden neben dem Einsatz von synthetischen Präparaten auch pflanzliche Arzneimittel verschrieben. Gerade im Hinblick auf die Ausbildung von Antibiotika-Resistenzen versucht man häufig zunächst, die Krankheit mit pflanzlichen Mitteln zu bekämpfen, bevor man zu der „chemischen Keule" greift. Auch wegen ihrer guten Verträglichkeit sind Phytotherapeutika gerade bei älteren Patienten zunehmend gefragt.
Die meisten Vertreter der modernen Phytotherapie möchten diese daher nicht von der Schulmedizin abgrenzen, sondern als gleichwertiges Therapieverfahren neben der Therapie mit synthetischen Arzneimitteln verstanden wissen. Phytopharmaka müssen wie jedes synthetische Arzneimittel auch den Anforderungen des Arzneimittelgesetzes hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit entsprechen, um als Arzneimittel zugelassen zu werden.
In der Naturheilkunde
Die Naturheilkunde ist eine Therapieform, die alternativ zur Pharmakotherapie in der Schulmedizin als durchaus als naturwissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethode gilt. Sie umfasst nicht nur die Behandlung mit Arzneimitteln, sondern setzt breiter an: Zu ihren Therapiemethodenn gehören neben physikalischen Reizen (Licht, Luft, Wärme, Kälte, Bewegung, Ruhe), und psychosoziale Einflussfaktoren (Gespräche, Beratung in Fragen der Lebensführung) vor allem pflanzliche und andere natürliche Arzneistoffe. Die Behandlung und Vorbeugung von Kranheiten geschieht hier unter Einsatz von meist naturbelassenen Heilmitteln, die aus der natürlichen Umwelt entnommen sind.
Homöopathie
Die am weitesten verbreitete Therapierichtung außerhalb der konventionellen Medizin ist die Homöopathie. Zwar ist diese auf Samuel Hahnemanns Lehren basierende Therapierichtung nach wie sehr umstritten, viele Ärzte arbeiten jeodch in der Praxisbereits erfolgreich mit homöopathischen Verfahren.
Die Homöopathie entstand vor mehr als 200 Jahren als Kontrast zur damals üblichen Pharmakotherapie, die im wesentlichen nur Langzeitgaben von Arsen, Quecksilber und Schwefel in hohen Dosierungen kannte. Samuel Hahnemann (1755 - 1843) dagegen verfolgte einen anderen Ansatz: Nach dem Prinzip „Ähnliches soll mit ähnlichem behandelt werden" verwendete er die Substanzen, die beim gesunden Menschen gerade die Symptome auslösten, die behandelt werden sollten, als Heilmittel. So wird beispielsweise Bienengift bei Gelenkschmerzen oder Thallium gegen Kahlheit verwendet. Und noch einen Unteschied zur klassischen Medizin hat seine Methode: In der Homöopathie gilt die geringste Dosierung als die Wirksamste.
Die Ursubstanzen oder - im Falle flüsser, häufig alkoholischer Drogenextrakte – Urtinkturen werden durch Verschütteln oder Verreiben so lange verdünnt, bis aus ihnen die so genannten „Potenzen", die wirksamen Verdünnungsstufen entstehen. Im Extremfall werden dabei sogar Verdünnungen erreicht, in denen chemisch kein Molekül des ursprünglichen Stoffes mehr nachweisbar ist. Doch, so der Glaube der Homöpathen, die „Essenz“ der Substanz ist durch das Schütteln auf das Lösungsmittel übergegangen.
Aromatherapie
Bei der Aromatherapie werden Massagen, Bäder, Gesichtskompressen und Inhalationen mit Geruchsstoffen von Pflanzen - meist in Form ätherischer Öle - unter der Vorstellung eingesetzt, dass deren metaphysischen Kräfte auf den Menschen übertragen werden. Eine olfaktorsich vermittelte Wirksamkeit ist jedoch nur für einige ätherische Öle nachgewiesen.
Bachblüten
Die Bach-Blütentherapie wurde vor rund 55 Jahren von dem englischen Arzt, Dr. Edward Bach, entwickelt und ist seitdem vor allem in den angelsächsischen Ländern angesehen und verbreitet. Bei den "Bach-Blüten" handelt es sich um wässrige Auszüge von 38 wildwachsenden, nicht giftigen Pflanzen und Bäumen, wie Eiche, Ulme, Geißblatt. Sie werden noch heute an den von Dr. Bach festgelegten englischen Fundorten in freier Natur gesammelt. Bachblütenanhänger glauben, dass diese Pflanzen mit 38 möglichen Seelenzuständen der menschlichen Natur korrespondieren. Die wässrigen Blüten-Auszüge werden mit Alkohol konserviert und als Konzentrate in sog. "stockbottles" abgefüllt. Diese Konzentrate, bzw. deren Mischungen werden in der Apotheke auf Einnahmestärke verdünnt, wobei - wie von Dr. Bach vorgeschrieben - ein mit Quellwasser verdünnter Alkohol verwendet wird.