Chili-Samen
Habitus und Blätter
Paprika gehören zu den Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrigen Pflanzen; die Samen keimen oberirdisch (epigäisch), sie bilden zwei Keimblätter. Die meist mehrjährigen krautigen Pflanzen erreichen Wuchshöhen um 150 cm, aber es existieren sowohl bodendeckende als auch deutlich grössere Arten und Sorten. Die Wurzeln bilden sich im Umkreis von 30 bis 40 cm knapp unter der Erdoberfläche aus und reichen bis zu 60 cm in die Tiefe. Als Keimling entwickelt sich zunächst ein Haupttrieb, welcher paarweise Blätter ausbildet, die kurz hintereinander erscheinen können. Die Blattpaare sind untereinander um etwa 90° versetzt. Die Form der Laubblätter ist länglich oval bis eiförmig. Sie sind ganzrandig und gestielt, bis zu 30 cm lang und bis zu 15 cm breit. Nach frühestens drei Monaten, in etwa in einer Höhe von 30 cm bis 1 m, verzweigt sich der Haupttrieb zum 1. mal, in der Verzweigung bildet sich die 1. Blüte. Die Nebentriebe verzweigen sich während des Wachstums erneut, auch hier finden sich in den Verzweigungen Blütenansätze. Im Alter treibt die Pflanze aus Blattachseln und teilweise auch aus den Verzweigungen selbst neue Zweige aus, die ebenfalls nach einiger Zeit verzweigen.
Bei einigen Sorten ist in den Verzweigungen, auf den Blättern und auch den Früchten eine violette Verfärbung zu beobachten, die teilweise bis in schwarze Farbtöne reicht und oft auch die ganze Pflanze betrifft. Diese Verfärbungen treten als Schutz gegen zu starke Sonneneinstrahlung auf, zum Teil wurden diese Eigenschaften durch gezielte Selektion und Kreuzungen für Zierpaprikas verstärkt. Verfärbungen der Früchte sind nur bis kurz vor der Reife zu beobachten, da dann der oftmals rote Farbstoff überwiegt.
Alle Paprikasorten sind mehrjährige Pflanzen, auch wenn der Name Capsicum annuum Einjährigkeit vermuten lässt. Der botanische Begriff bezieht sich nicht auf ein Kalenderjahr, sondern darauf, dass die Pflanze vom Keimen bis zur Samenreife keine Vegetationspausen einlegt. Pro Jahr wachsen die Pflanzen zwischen 0,3 und 4,6 m. Obwohl die Pflanzen leicht saure bis neutrale Böden bevorzugen, wachsen sie auch bei einem pH-Wert des Bodens zwischen 4,3 und 8,7. Ein zu hoher pH-Wert kann jedoch zu gelblichen Verfärbungen am Blattrand und geringen Wuchs führen. Die Pflanzen wachsen am besten in lockerem, sandigem bis lehmigem Boden. In Mitteleuropa werden Paprika meist einjährig (Keimung im Frühjahr, Fruchternte im gleichen Jahr, danach wird die Pflanze kompostiert) gezogen, da die Pflanze sehr kälteempfindlich ist. Bei Temperaturen zwischen 7 und 29 °C können Paprika jedoch auch problemlos im Freiland wachsen.
Blüte
Die Blüten wachsen an einem 2 - 5 cm langen Stiel, sind meist weiss, es gibt jedoch auch sehr viele grünliche und auch violette Blüten (z. B. bei C. pubescens). Je nach Art treten eine bis 10 Blüten pro Blattachsel auf. Der Kelch der Blüte ist glockenförmig, die Kelchblätter sind teilweise nach vorne zugespitzt, zum Teil aber auch abgerundet. Der Fruchtknoten ist unterständig. Die Blüten öffnen sich morgens, wobei die Narbe sofort befruchtet werden kann, die Staubgefässe geben erst nach einigen Tagen ihren Pollen ab. Aufgrund dieser Eigenschaft kommt es unter Paprika oft zu Kreuzbefruchtungen und damit zu einer hohen Variabilität unter den Pflanzen. Bis auf die Wildformen C. buforum und C. cardenasii sind die Blüten zwittrig und selbstbestäubend. Die Bestäubung erfolgt vorwiegend durch Insekten, doch gerade bei Zimmerhaltung und im Gewächshaus reicht oftmals Wind oder vorsichtiges Schütteln der Pflanze, um die Blüten zu bestäuben. Die höchste Befruchtungsrate der Blüten stellt sich bei einer Temperatur von 16 bis 32 °C ein. Die Blütenbildung hat ihr Optimum bei einer Temperatur von 16 bis 21 °C. Auf Nachttemperaturen über 24 °C reagiert die Pflanze mit Blütenabwurf, ab Nachttemperaturen von 32 °C wird zudem die frühe Fruchtentwicklung gehemmt. Auch nach Fruchtansatz entwickeln sich neue Blüten, so dass an einer Pflanze verschiedene Stufen der Fruchtbildung beobachtet werden können. Die Zahl der Blüten nimmt jedoch ab, wenn sich bereits reifende Früchte an der Pflanze befinden. Unter idealen Temperaturbedingungen können ganzjährig Blüten gebildet werden, der Einfluss der Tageslänge auf die Fruchtbildung ist hingegen relativ gering.
Frucht
Obwohl die Frucht umgangssprachlich und kulinarisch meist als Schote bezeichnet wird, handelt es sich botanisch gesehen um eine Beere. Die Fruchtwand besteht von aussen nach innen aus einer festen Haut, auch Exokarp genannt, gefolgt vom eigentlichen Fruchtfleisch, dem Mesokarp und schließlich der Innenwand, dem Endokarp. An der Innenseite der ehemaligen Fruchtblätter befindet sich das deutlich hellere plazentale Gewebe, welches auch oftmals in Form von Scheidewänden (Plazentarleisten) das Innere der Frucht in verschiedene, nicht vollständig getrennte Kammern unterteilt. Auf der Plazenta und den Scheidewänden sitzen die Samen, die zum Teil den kompletten Innenraum der Frucht ausfüllen. Die Samen sind nierenförmig und glatt. Je nach Art ist ihre Farbe hellbraun bis schwarz und das Tausendkorngewicht beträgt zwischen 5 und 8 Gramm.
Die Früchte sind sehr formen- und farbenreich. Von schmal-zylindrisch bis kugelig gibt es viele Erscheinungsbilder. Unterschiedlich ist auch die Form der Spitze der Frucht, von kegelförmig zugespitzt über abgerundet bis hin zu von mehreren Rundungen eingekerbten Vertiefungen reicht die Vielfalt. Das Fruchtwachstum zeigt ein sigmoides Verhalten, d. h. in der Mitte der Reifeperiode ist das Wachstum am stärksten, während zu Beginn und Ende ein sehr geringes Wachstum zu beobachten ist. In 28 - 35 Tagen nach der Befruchtung haben die Früchte ihre endgültige Grösse erreicht, anschliessend steigert sich das Fruchtgewicht durch Verdickung der Fruchtwand weiter. Abhängig von der Sorte und den äusseren Bedingungen sind Paprikas 50 - 120 Tage nach der Befruchtung ausgereift. Reife Früchte können die Farbtöne rot, orange, gelb, braun oder auch weiss annehmen. Grüne, violette oder schwarze Früchte sind immer unreif, einige Sorten reifen über mehrere Farbstadien, z. B. von grün nach gelb zu rot, ab.
Vermehrung
Farbgebung und Inhaltsstoffe der wilden Capsicum sind an eine spezielle Vermehrungsstrategie angepasst, die sowohl grosse räumliche Verbreitung als auch einen möglichst idealen Standort der Pflanzen gewährleistet. Die Schärfe der Früchte ist ursprünglich als ein Abwehrmechanismus gegen Säugetiere zu verstehen. Säugetiere lernen schnell, scharfe Paprika zu meiden, wozu auch die gute Wiedererkennbarkeit durch die oft leuchtend rote Farbe beiträgt. Für Vögel hingegen sind die Früchte nicht scharf, da die anders aufgebauten Rezeptoren auf deren Nervenzelloberflächen nicht auf Capsaicin reagieren. Da die Verdauung der Vögel die Samen nicht zersetzt, werden diese unverdaut zusammen mit dem Kot wieder ausgeschieden. Dies geschieht oftmals, wenn sich die Vögel auf Bäumen niederlassen, so dass wilde Capsicum oft im Schatten von größeren Bäumen zu finden sind. Der die Samen umgebende Kot weicht zum einen die Samenhülle auf, so dass der Keimling sie leichter durchstossen kann, liefert aber auch Nährstoffe, die die Jungpflanze in den ersten Entwicklungsstadien benötigt. Da Vögel allgemein grössere Strecken als Säugetiere zurücklegen, werden die Samen gleichzeitig über ein grösseres Gebiet verteilt.
In Kultur werden Paprika fast ausschließlich aus Samen gezogen, jedoch ist auch eine vegetative Vermehrung durch Stecklinge möglich.
Herkunft
Der Ursprung der Paprika-Arten und -Sorten ist Mittel- und Südamerika. Die Gattung entwickelte sich wahrscheinlich im Gebiet des heutigen Südbrasilien bis Bolivien. Die einzelnen Arten wurden durch Vögel bis nach Mittelamerika ausgebreitet.
Die Arten C. annuum, C. frutescens und C. chinense entwickelten sich aus einem gemeinsamen Vorläufer, der im nördlichen Amazonasbecken (Nordwestbrasilien, Kolumbien) beheimatet war. Von dort fächerte sich die Entwicklung der Arten auf: C. annuum und C. frutescens breiteten sich nach Norden aus und wurden dort (in Mexiko bzw. Panama) in Kultur genommen. C. chinense dagegen wanderte westwärts und wurde in Peru domestiziert (allerdings wird diese Art heute in Südamerika kaum mehr angebaut). Ebenfalls eine westliche Ausbreitung erfuhren zwei weitere heute kultivierte Arten, die mit den vorherigen entfernter verwandt sind: C. baccatum im peruanischen Tiefland und C. pubescens im Andenhochland (Peru, Bolivien, Ecuador).
Bei Ausgrabungen in einem Tal bei Tehuacán (Mexiko) konnten Belege gefunden werden, die beweisen, dass Paprika bereits um 7000 v. Chr. als Nutzpflanzen dienten. Dabei handelte es sich noch um die Wildformen der Pflanzen, erste durch Selektion entstandene Zuchtformen werden auf den Zeitraum zwischen 5200 und 3400 v. Chr. geschätzt. Alle fünf noch heute angebauten Arten wurden bereits vor der Entdeckung Amerikas durch die einheimischen Völker kultiviert.[3] In einer 2007 veröffentlichten Arbeit konnten Forscher um Linda Perry vom Smithsonian National Museum of Natural History in Washington, D.C. nachweisen, dass in Südwest-Ecuador bereits um 4100 v. Chr. Chili verwendet wurde, dessen Stärke sich von wildem Chili unterscheidet.
Christoph Kolumbus' Reisen ab 1492 hatten auch zum Ziel, das damalige Monopol Venedigs im Pfeffer- und Gewürzhandel zu brechen. Nachdem er, seiner Vermutung nach, in Indien landete, lernte er dort scharfe Früchte, die von den Einwohnern zum Würzen von Speisen verwendet wurden, kennen. Zunächst wurden diese Früchte nach dem bereits aus Indien bekannten schwarzen Pfeffer Pimienta genannt. Es ist unklar, ob Kolumbus glaubte, Verwandte des ihm bekannten schwarzen Pfeffers gefunden zu haben, oder ob er den Vergleich bewusst heranzog, um die Verwendung als Gewürz hervorzuheben. Die erste schriftliche Erwähnung der Pflanzengattung stammt von der zweiten Fahrt Kolumbus, während der der mitgereiste Arzt Diego Alvarez Chanca die Pflanze in einem Brief an die Auftraggeber der Reise erwähnte. Durch nach Europa mitgebrachte Früchte konnten schon bald in Spanien die ersten Pflanzen angebaut werden. Noch heute sind Paprika auch unter dem Namen "Spanischer Pfeffer" bekannt.
Die der Entdeckung des neuen Kontinents folgende Erforschung der Pflanzenwelt Amerikas brachte schon bald eine grosse Anzahl an Varietäten der neuen Pflanze zum Vorschein. Bartolomé de las Casas beschreibt mehrere Paprika, die er nach seiner Ankunft in Amerika 1502 fand, unter anderem eine Pflanze mit länglichen und schlanken, sowie eine mit kirschförmigen und schärferen Früchten. Der Hesse Hans Staden, der zwischen 1547 und 1555 von Bewohnern des heutigen westlichen Brasiliens festgehalten wurde, beschrieb zwei Formen der dort genutzten Paprika: eine gelbe und eine rote.
Durch den Kolonialismus dieser Zeit und den zunehmenden Welthandel, vor allem durch die Portugiesen, breiteten sich Sorten der Pflanzengattung schnell in Afrika, im Nahen Osten und Südostasien bis nach Japan aus. Sie wurde in vielen Ländern wie Indien und Thailand fester Bestandteil der heimischen Küche. Vorher wurden dort unter anderem Ingwer und Pfeffer als scharfe Gewürze genutzt.
Das Osmanische Imperium kam wahrscheinlich bei einer der Belagerungen der portugiesischen Kolonien Ormuz (Persien, 1513) oder Diu (Indien, 1538) zum ersten mal in Kontakt mit Paprikapflanzen. Der erste Nachweis von Paprikapflanzen in Deutschland stammt aus dem Jahre 1542, als Leonhart Fuchs die Pflanze unter dem Namen Siliquastrum in seinem Werk "De Historia stirpium" beschrieb. Erstaunlicherweise berichtet er bereits zu diesem Zeitpunkt von einer weiten Verbreitung als Topfpflanze.
Die Grundlage für die noch heute gültige botanische Beschreibung und die Zuordnung dieser Pflanzen-Arten und -Sorten zur Gattung Capsicum erfolgte 1753 durch Carl von Linné. Er benannte zunächst die beiden Arten Capsicum annuum und Capsicum frutescens.
Gezielte Züchtung
Als Urform der meisten kultivierten Paprika gilt heute die Sorte "Tepin", deren Früchte etwa 1 cm im Durchmesser gross, rund und sehr scharf sind. Diese Sorte ist auch heute noch wildwachsend in Südamerika anzutreffen. Durch gezielte Selektion und Kreuzung entstanden über tausend verschiedene Sorten, wie etwa der bekannte mexikanische "Jalapeño", der österreichische "Halblanger Vulkan" und der japanische "Shishitou". Auch heute noch werden viele neue Sorten durch Einkreuzen gezüchtet, darunter auch so genannte Zierchilis, deren Früchte beim Ausreifen etwa die Farbskala von Purpur über Gelb bis Rot durchlaufen. Da das Ziel dieser Züchtungen eine bestimmte Optik war, sind diese Zierchilis meist geschmacklich uninteressant, obwohl sie durchaus essbar sind. Andere kommerzielle Züchtungen sind auf die Kultur im Gewächshaus spezialisiert, so dass sie auch unter veränderten Lichtverhältnissen maximale Ernteergebnisse liefern.
Für fast alle Arten existiert eine Wildform, die sich durch sehr kleine Früchte auszeichnet. Einige der Wildformen werden in stärker werdenden Masse kommerziell genutzt, indem sie gesammelt und frisch oder getrocknet verkauft werden, so zum Beispiel Tepin (Wildform des Capsicum annuum) in Mexiko, Capsicum praetermissum und Capsicum cardenasii in Brasilien, Capsicum chacoense und Capsicum eximium in Bolivien. Allein von Capsicum pubescens ist keine Wildform mehr bekannt, da diese Art bereits seit mehreren tausend Jahren domestiziert wurde.
Anbau
Heute wird Paprika weltweit in tropischen und gemässigten Zonen angebaut. Durch Anbau in Gewächshäusern wird eine längere Vegetationsperiode erreicht. Um in Mitteleuropa eine ununterbrochene Ernte zu gewährleisten wird die Paprikakultur in mehreren Sätzen (Pflanzterminen) gepflanzt. Diese werden maximal 11 Monate kultiviert und nach einer Anbaupause von etwa einem Monat zum Reinigen und neu Anlegen des Kulturraums durch eine neue Pflanzung ersetzt.
In Deutschland werden hauptsächlich blockige Paprika-Typen den ganzen Sommer über aus deutschen Beständen verkauft. Daneben werden Paprika ergänzend das ganze Jahr über aus Spanien und den Niederlanden, während der Sommer-Saison zusätzlich auch aus Ungarn importiert und angeboten. In den Wintermonaten gibt es manchmal ergänzende Lieferungen an süßer Paprika aus Israel und an Peperoni aus Ägypten wenn die Erntemengen in den Niederlanden und Spanien nicht reichen. Rückläufige Erntemengen in den Wintermonaten werden durch Erntepausen wegen Neuanlage der Kulturen und durch geringeren Ertrag durch zurückgehende Einstrahlung verursacht.
Die weltweite Ernte betrug im Jahr 2000 etwa 19.008.861 Tonnen. Davon China 8.136.452 t, Mexiko 1.826.140 t und die Türkei 1.400.000 t.
Paprika kann auch im Hausgarten in Topfkultur, Freilandkultur oder im Gewächshaus angebaut werden.Vorziehen ab Februar, auspflanzen ab Mai. Die Pflanzen sind wärmebedürftig. Starkzehrer. Samen kann von reifen Früchten selbst gewonnen werden.
Verarbeitung
Es gibt heutzutage kaum eine lokale Küche, in der Paprika nicht in irgendeiner Form eingesetzt wird. Jedoch ist die jeweilige Verwendung sehr unterschiedlich und stark an die regionalen Gewohnheiten angepasst. Einige Sorten, wie "Jalapeño", "Serrano", "Anaheim" oder zum Teil die Gemüsepaprika, werden im grünen, unreifen Zustand geerntet und verwendet.
Die scharfen Sorten werden bevorzugt in warmen Regionen eingesetzt, da die durch das Capsaicin verursachte Hitzeempfindung ihrerseits die Schweissbildung fördert, wodurch die eigentliche Temperatur wieder gesenkt wird. Beispiele für diese Küchen sind in der ursprünglichen Heimat der Paprikas die mexikanische Küche, die Tex-Mex-Küche, aber auch die mittel- und südamerikanische Küche.
Doch auch Asien ist für scharfe Kochstile bekannt, so unter anderem die chinesische, indonesische, thailändische, koreanische und indische Küche. In Europa sind bevorzugt die Mittelmeer-Gebiete zu nennen, so die spanische, türkische, italienische oder griechische Küche, aber auch auf dem Balkan und in Ungarn, wird die Schärfe der Paprika geschätzt.
Milde Paprika werden sowohl als Gemüse als auch als Gewürz in vielen anderen Küchen genutzt, unter anderem in der französischen Küche. Die Einbürgerung der Gewürzpaprika in der französischen Küche und damit in der "Haute Cuisine" ist auf den Koch Auguste Escoffier zurückzuführen. Er ließ das Paprikapulver 1879 über den befreundeten ungarischen Koch Karoly Gundel aus Szeged in Ungarn nach Monte Carlo kommen und verschaffte damit dem "ungarischen Gewürz" internationale Beachtung. Zu den Gerichten, die er servierte, gehörte "Poulet au Paprika" (Paprikahuhn) – und "Gulyas Hongroise" (Gulasch). Ein weiteres bekanntes französisches Gericht, die Ratatouille, ist ohne Paprika undenkbar.
Wie viele andere Nachtschattengewächse enthalten die grünen Bestandteile der Pflanze, wie Blätter und Stängel, Giftstoffe und sollten deswegen nicht verzehrt werden. Jedoch ist der Anteil dieser Giftstoffe nicht so hoch wie bei anderen Nachtschattengewächsen, so dass zum Beispiel in Indien auch die Blätter für eine Art Tee verwendet werden.
Chilipulver
Die Herstellung von Chilipulver ist bei dünnfleischigen Chilisorten, wie z.B. Cayenne, Dutch Red, etc., sehr einfach. Nach dem Ernten der Chilis diese einfach trocknen. Dazu sollte man die geernteten Chilis nebeneinander (sie sollten wenn möglich nicht übereinander liegen) an einen trockenen Ort ein paar Monate liegen lassen. Ideal auf der Fensterbank in der Sonne, oder man hängt diese an Schnüre zum trocknen in der Luft auf. Letztere Möglichkeit sieht auch noch sehr dekorativ aus.
Dickfleischige Sorten wie Jalapenos, Habaneros usw. vergammeln bei der "klassischen" Trokcknung an der Luft recht schnell. Hier sollte man diese ein paar Tage nach der Ernte liegen lassen und danach bei 70-90 Grad ein paar Stunden im Backofen belassen. Je nach Art sollte man aber immer mal wieder danach schauen, ob die Schoten nicht verbrennen. Die dickfleischigen Schoten verlieren im Ofen ihre Form, vertrocknen und werden schrumpelig. Nach dem Trocknungsvorgang sind diese zumeist fast hart und man kann danach mit der Pulverherstellung beginnen. Das Trocknen oder auch zum Teil das Rösten gibt dem späteren Pulver auch noch eine eigene Geschmacksnote.
Sind eine ausreichende Menge an getrockneten Schoten zusammen, kann man mit der Pulverherstellung beginnen. Hierzu werden die Chilis mit einem scharfen Messer (Wiegenmesser) oder mit einem Mörser zu Pulver verarbeiten. Besser geht das mit einer elektrischen Kaffeemühle; ca. eine halbe Minute in der Mühle mahlen. Achtung: Der Staub, der bei der Verarbeitung entsteht, kann einen länger anhaltenden Hustenreiz hervorrufen!
Verwendung als Gewürz
Die wohl bekannteste Form, in der Paprika als Gewürz genutzt wird, ist das Paprikapulver. Zur Herstellung werden die Paprikafrüchte zunächst getrocknet und anschließend gemahlen. Je nach verwendeter Sorte und der damit verbundenen Schärfe, sowie den Anteil der Samen und Scheidewände kann Paprikapulver in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Ungarisches Paprikapulver wird (mit abnehmender Schärfe) wie folgt gegliedert: Rosenpaprika – Halbsüss – Edelsüss – Delikatess – Extra. Daneben gibt es noch die spanischen Paprikapulver Dulce (vergleichbar mit Edelsüss) und das kräftigere Picante. Scharfes Paprikapulver wird oft als Cayennepfeffer bezeichnet, verweist aber eigentlich auf die verwendete Chilisorte Cayenne.
Neben Paprikapulver wird eine Vielzahl an Würzsaucen und -pasten aus Paprika hergestellt. Wohl die bekannteste ist die durch Fermentation von Chilis hergestellte Tabascosauce. Oft wird auch eine Grundlage aus Essig und Gemüse (meist Tomaten) oder Früchten für Chilisaucen verwendet. Zu den bekanntesten Würzsaucen mit Paprika gehören Sambal Oelek (Indonesien), Ajvar in weiten Teilen Südosteuropas, Erős Pista (Ungarn), Harissa (Nordafrika), Mojo (Kanarische Inseln), Mole und diverse Salsas (Mexiko).
Getrocknete Paprika sind grob gemahlen oder als ganze Früchte erhältlich. Diese können sowohl ähnlich Paprikapulver als auch nach Einweichen in Wasser wie frische Früchte verwendet werden. Doch gerade in der mexikanischen Küche nehmen getrocknete Chilis einen besonderen Stellenwert ein. Durch die Trocknung erhalten einige der verwendeten Sorten erst ihr besonderes Aroma und werden dementsprechend benutzt. Meist besitzen Chilis der gleichen Sorte unterschiedliche Namen, je nachdem, in welchem Zustand sie verwendet werden. So heissen unreife Ancho-Früchte Poblano, getrocknete Mulato; Jalapeño sind zumeist unreif, die reifen, durch Räuchern haltbar gemachten und sehr aromatischen Jalapeño werden als Chipotle bezeichnet.
Zur Bestimmung der Schärfe von Paprika wurde 1912 ein Vergleichsverfahren eingeführt. Aufgrund der nach dem Erfinder benannten Scoville-Skala wird heute noch die Schärfe von Chilis angegeben. Jedoch wird heute der Capsaicin-Gehalt chemisch-analytisch bestimmt. Die verschiedenen Paprikasorten können Scoville-Werte von 0 bis über 1.000.000 erreichen. Pures kristallines Capsaicin entspricht einem Schärfegrad von 15.000.000 bis 16.000.000 Scoville-Einheiten.
Die ungefähre Klassifizierung der Schärfe von Paprika reicht von mild (0 Scoville-Einheiten, z. B. Gemüsepaprika) über pikant (100–1.500 Scoville-Einheiten, z. B. Kirschpaprika, Peperoni, Peperoncini, Poblano, Pasilla) und mittelscharf (1.500–10.000 Scoville-Einheiten, z. B. Jalapeño, Guajillo, Wachspaprika) bis hin zu scharf: (mehr als 30.000 Scoville-Einheiten, z. B. Serrano, Cayenne (Pflanze), Chiltepin, Thai-Chili oder Habanero mit 100.000 bis 500.000 Scoville-Einheiten). Durch die Verwendung von Konzentraten ist es möglich, noch schärfere Chilisaucen herzustellen.
Zur Beseitigung der Schärfe an Händen empfiehlt sich wiederholtes gründliches Händewaschen mit Seife oder Alkohol. Um sich bei der Verarbeitung scharfer Sorten zu schützen, bieten sich Plastikhandschuhe an. Will man die Schärfe mindern, sollten nur Fruchtschalen ohne Plazenta, Samenscheidewände und Samen verwendet werden.
Verwendung als Gemüse
Nachdem durch Züchtung immer mildere Sorten verfügbar waren, setzte sich die Verwendung von Paprika als Gemüse immer mehr durch. Wie auch beim scharfen Paprika ist die Verwendung des Gemüsepaprika sehr vielseitig. So kann man Paprika roh in Salaten, gefüllt, sauer eingelegt, gedünstet oder gebraten verwenden. Frischer Paprika hält sich bei Zimmertemperatur etwa 2 -3 Tage, im Kühlschrank (Gemüsefach) etwa 1 Woche. Vor der Verwendung sollten Stiel, Plazenta, Samenscheidewände sowie Samen entfernt werden. Grüne (unreife) Paprikas sind etwas bitterer und kräftiger im Geschmack, während reife Früchte süsser sind.
Medizin
Seit vielen Jahrhunderten ist die durchblutungsfördende Wirkung von Chili-Extrakt zum Beispiel bei der Behandlung verschiedener Rheumaformen bekannt. Das wohl allen bekannte ABC-Pflaster (bei Mulskelschmerzen, Hexenschuss oder anderen Verspannungen) hat zum Beispiel sein C in der Namensgebung durch den Bestandteil an Cayenne (Capsicum) erhalten. Weiterhin wird der Wirkstoff Capsaicin mittlerweile bei der Behandlung von einzelnen Hautkrankheiten bis hin zur Behandlung von Migränepatienten benutzt. Auch soll in den Fishermans Friend "Extra Stark" angeblich Paprika Extract enthalten sein. Nicht zu Guter letzt kurbelt Capsaicin den Stoffwechsel im eigenen Körper ordentlich an und hat zudem noch einen recht hohen Vitamin C Gehalt.
Verwendung in der Medizin
Bereits die amerikanischen Ureinwohner nutzten Paprika als Heilmittel, unter anderem gegen Zahnschmerzen oder Arthrose. Teile dieser Techniken wurden nach der Entdeckung Amerikas auch von Europäern in die Volksmedizin übernommen. Der heute bekannteste Einsatz von Paprika in der Medizin sind ABC-Pflaster, die bei rheumatischen Schmerzen eingesetzt werden. Die 1928 entwickelte Wirkstoffkombination enthält neben einem Extrakt aus Cayennepfeffer Arnika- und Belladonna-Bestandteile. Auch gegen andere Beschwerden, wie Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetische Neuropathie oder postherpetische und trigeminale Neuralgie, werden Capsaicin-haltige Produkte eingesetzt, weitere Möglichkeiten zur medizinischen Anwendung von Capsaicin werden regelmässig bekannt. 2006 wurde beispielsweise festgestellt, dass eine hohe Dosis Capsaicin Prostatakrebszellen in Mäusen abtötet.
Koreanische Wissenschaftler stellten zudem in einer Studie mit 100 Frauen fest, dass ein erhöhter Konsum an scharfen Paprika mit einer Verringerung des Körperfett-Anteils in Zusammenhang steht.
Jedoch steht Capsaicin und damit scharfes Essen auch im Verdacht, Symptome wie Blasenirritation, Inkontinenz, Gastritis, Durchfall und Magenschmerzen hervorzurufen.
Capsaicin
Capsaicin ist der verantwortliche Wirkstoff für die Schärfe in den Chilischoten. Capsaicin ist ein aus Pflanzen der Gattung Capsicum gewonnenes Alkaloid (dürfte eher den Chemikern bekannt sein). Capsaicin oder besser gesagt Capsaicinoide (aus Capsicum gewonnene, Schärfe verursachende Stoffe), lösen sich in Alkohol und in Fett, aber nicht in Wasser! Da man normalerweise jedoch beim Essen feiner Chiligerichte nicht unbedingt die Mengen an hochprozentigen Alkohohl zu sich nehmen möchte, wie man müsste, um den "Brand" zu löschen, sollte man im zweifelsfalle Milch o.ä. fette Getränke parat haben. Zusätzlich haben Capsaicinoide eine antibakterielle und auch fungizide Wirkung, die auch in der Medizin Verwendung findet.
Chipotle
Chipotle sind im Rauch des Mesquite Baumes getrocknete Jalapeno Schoten. Hierdurch erhalten die Früchte einen typisch rauchigen Geschmack. Das Räuchern wird nicht nur wegen des interessanten Geschmackserlebnis gemacht, sondern um die ansonsten eher schwierig zu trockenen Schoten zu trocknen.
Habanero-Sauce
Diese Hot Sauce benötigt folgende Zutaten:
Zutaten
- 1 Habanero oder andere sehr scharfe Chilischote (ohne Kerne in schmale Streifen schneiden)
- 2 Knoblauchzehen, geschält und gewürfelt
- 1 TL frischen Ingwer, geschält und gewürfelt
- 1 EL Senfkörner gemahlen
- 1-2 TL Meersalz
- 1 Msp. Cumin (arabisch)
- 1 Zwiebel, geschält und gewürfelt
- ½ TL Minze gehackt (frisch oder Pulver)
- 1 Avocado, geschält und gewürfelt
- 3 EL ÖL (z.B. Zitronenöl) oder anderes Öl
- 1 EL Zucker
- 6 EL Maracuja Sirup (oder anderen Sirup, frische Mango usw.)
- ca. 6-7 EL Essig (> 5 % Säure)
- ca. 170-200 ml Wasser
- ausgekochte Marmeladengläser
Zubereitung
- Zwiebeln und Knoblauch in Öl kurz anschwitzen, ablöschen mit ca. 100 ml Wasser
- Avocado, Ingwer und Chili zugeben, mit Essig ablöschen
- Gemahlener Senf, Salz, Minze und Cumin dazugeben, ca. 20 Minuten köcheln lassen und mit wenig Wasser in gewünschte Konsistenz bringen
- Zum Schluss Sirup und Zucker mit aufkochen lassen
- Alle Zutaten gut pürieren und direkt heiss in vorab ausgekochte Gläser füllen, mit Deckel dicht verschliessen und über Kopf stülpen. Wenn möglich umgehend im kalten Wasserbad umgedreht runterkühlen oder mit kalten Handtuch umwickeln.
- Für mehr Schärfe nimmt man ein paar Schoten mehr und lässt die Kerne einfach mit in der Sauce.
- Haltbarkeit im Kühlschrank: min. 6 Monate.
Jalapenos Sauce
Dieses Grundrezept gilt auch für viele andere Chilisorten und lässt sich beliebig variieren. Kann mit frischen Mangos oder Papaya angereichert werden. Ausprobieren: mit Gin oder Obstband verfeinern.
Zutaten
- 2-3 grüne Jalapenos oder andere Chilischoten in schmale Streifen geschnitten
- 1-2 Knoblauchzehen, geschält und gewürfelt
- 1 große Zwiebel, fein gewürfelt
- Ein paar Karotten geschält und fein gewürfelt, je nach Geschmack (ergeben eine schöne Konsistenz, sind geschmacklich aber nicht nötig)
- ca. 6-7 EL Essig (> 5 % Säure)
- 1 Tl Salz
- 1 Tl Zucker
- 250 ml Wasser
- 1 Schuss Gin (kann man auch weglassen)
- ausgekochte Marmeladengläser
Zubereitung
- Karotten, Zwiebeln und Knoblauch in Öl kurz anschwitzen, ablöschen mit ca. 100 ml Wasser.
- Chili zugeben und kurz mit anschwitzen, danach mit Essig und dem restlichen Wasser ablöschen.
- Zum Schluss Zucker und Salz mit aufkochen lassen, Gin hinzu geben und das Ganze eine gute halbe Stunde leicht köcheln lassen.
- Alle Zutaten gut pürieren und direkt heiss in vorab ausgekochte Gläser füllen, mit Deckel dicht verschliessen.
- Über Kopf stülpen. Wenn möglich umgehend im kalten Wasserbad umgedreht runterkühlen oder mit kalten Handtuch umwickeln.