Heilpflanzen
Eine Heilpflanze (Heilkraut oder Arzneipflanze) ist eine Pflanze oder deren Samen, die in der Pflanzenheilkunde wegen ihres Gehalts an Wirkstoffen zur Linderung von Krankheiten oder zu Heilzwecken Verwendung finden. Heilpflanzen oder deren Samen werden als Rohstoffe für Phytopharmaka in den unterschiedlichsten Formen, aber auch für Teezubereitungen, Kosmetika und Badezusätze verwendet.
Dabei sollte man nie vergessen, dass Heilpflanzen stark wirkende Arzneimittel sein können!
Ätherische Öle
Ätherische Öle bestehen aus bis zu 500 verschiedenen Stoffen und immer aus einer genetisch bestimmten Mischung. Sie sind sich in Wasser, haben einen aromatischen Geruch und verdampfen leicht.
Die Öle werden durch die Schleimhaut oder Haut aufgenommen und von dort in den ganzen Körper verteilt. Die Ausscheidung erfolgt über die Nieren, Galle oder dem Atemweg. Unter den ätherischen-Öl-Pflanzen findet man folgende Anwendungs- und Wirkungsgebiete:
- äusserlich bei rheumatischen und neuralgischen Schmerzen, bei Durchblutungsstörungen und Sportverletzungen
- bei Schwellungen und Entzündungen, vor allem bei Magenschleimhautentzündungen
- wirken verdauungsfördernd und stimulieren die Sekretion der Schleimhäute
- krampflösend
- egen Husten: schleimauswurffördernde und hustenstillende Wirkung; die Wirkung erfolgt teilweise reflektorisch ber die Reizung der Magennerven. Durch die Steigerung der Drüsensekretion kommt es zu einer Verflüssigung des Sekrets.
- Harntreibend: direkte Wirkung durch Reizung des Nierenparenchyms, so dass es zu einer stärkeren Durchblutung kommt. Bei allen ätherischen Ölen kommt es bei Anwendung höherer Dosen zu einer Degeneration des Nierengewebes. Deshalb ist bei bereits vorhandenen Nierenschäden eine Anwendung ätherischer Öle nicht erlaubt.
- Stimulieren die Gallenproduktion und steigern den Gallenabfluss.
- Wurmwidrige Wirkung
- keimhemmende bzw. keimabtötende Wirkung
- schweisshemmend
- beruhigend
- Juckreiz und schmerzstillend
- Abortiv: Viele ätherische Öle wurden in der Volksmedizin als Abortiva verwendet. Die abtreibende Wirkung durch Vergiftung der Frucht entsteht durch toxische Dosen. Auch die Mutter kann dabei vergiftet werden. Spezifisch auf den schwangeren Uterus der Mutter wirkt das Thujon (Thuja occidentalis); auch im Salbei ist dieser Stoffe enthalten.
- Schweisstreibend: Die Ursache des Schwitzeffekts ist unklar. Wahrscheinlich kommt die Wirkung nur vom heissen Wasser.
Bitterstoffe
Bitterstoffpflanzen regen reflektorisch die Magensaft- und Speicheldrüsensekretion an und werden ausschliesslich aufgrund ihres intensiven bitteren Geschmacks verwendet. Durch Erregung bestimmter Geschmackssensoren des Zungengrundes (bitterer Nachgeschmack) erkennt man den bitteren Geschmack. Diese Sensoren senden Signale zum Gehirn und löst reflektorisch eine Anschwellung der sezernierenden Schleimhäute aus. Bitterstoffe beeinflussen den Verdauungsprozess positiv: die Folge ist eine Zunahme des Appetits und die Förderung der Resorption der Nahrung. Typische Bitterstoffpflanzen sind Wermut und Hopfen, die z.B in Kräuterlikören und Aperitifs Verwendung finden. Voraussetzung für eine positive Wirkung ist, dass die Bitterstoffe ca. 30 Minuten vor der dem Essen verwendet werden.
Cumarin
Für den typischen Heugeruch beim Trocknen von Gras ist die Stoffgruppe Cumarin verantwortlich. Einige Cumarintypen wurden früher als Geruchs- und Geschmackstoffe in Nahrungsmittel verwendet, werden aber wegen schädlichen Nebenwirkungen für diesen Zweck nicht mehr verwendet.
"Furano cumarine" haben eine stark photosensibilisierende Eigenschaft auf die Haut. Im Sonnenlicht reagieren diese Stoffe mit der Nukleinsäure Thymin und verhindern dadurch ein Ablesen der Haut-DNA und damit ihre Vermehrung (Mitose). Nach 7-12 Stunden führt dies zur Blasenbildung und zu einem Ausschlag. Nach 2 Tagen beginnt eine vermehrte Produktion des Stoffes Melanin und es entsteht ein indirekter Bräunungseffekt. Der selbe Prozess kann auch beobachtet werden, wenn die Haut vor dem Sonnenbad mit Wiesenpflanzen, Sellerieblättern oder Eau de Cologne in Berührung kommt. "Furano cumarine" werden teilweise auch zur Behandlung von bestimmten Pigment-Anomalien oder der Schuppenflechte verwendet.
Bei Stoffen, die eine direkte Wirkung auf das DNA-Molekül haben, ist bei hohen Dosen eine krebserregende Wirkung nicht auszuschliessen. Pflanzen mit einem bestimmten Cumaringehalt werden heute auch als harntreibendes Mittel oder für eine bessere Verdauung angewendet (z.B. der Engelwurz, Pastinak, und Liebstöckel).
Gerbstoffe
Gerbstoffe werden zum Gerben von Tierhäuten verwendet. Bei diesem Prozess werden lösliche Proteine der Haut zu unlöslichen Produkten verändert.
Als pharmazeutische Wirkstoffe bilden die Gerbstoffe eine Koagulationsmembran in den obersten Schichten der Schleimhäute und des Bindegewebes. Durch das Angerben der Oberfläche kommt es zur Abdichtung der betreffenden Gewebeteile, zur Verminderung der Drüsensekretion (Mundtrockenheit), zur Herabsetzung der Reizbarkeit der Zellen und zur Reduktion der Geschmacksempfindlichkeit . Äusserlich wirken Gerbstoffe entzündungswidrig, sekretionshemmend, reizmildernd und trocknend auf Wunden und Haut. Durch Funktionsminderung der sensiblen Nervenendungen haben Gerbstoffe auch eine lokale anästhetische Wirkung, sie wirken ausserdem antibiotisch (Bakterien werden angegerbt, gehemmt und schliesslich getötet). Gerbstoffe wirken durch Adstringtion der Kapillaren auch blutstillend, deshalb werden sie äusserlich bei Wunden, bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums und Hämorrhoiden verwendet. Innerlich werden sie gegen Durchfallerkrankungen eingesetzt.
Gerbstoffe kommen auch als Gegengift bei verschiedenen Alkaloid- und Schwermetallvergiftungen zum Einsatz und bilden mit dem im Magen befindlichen Gift ein Adsorbat. Diese Adsorbate sind nicht irreversibel, deshalb ist eine schnelle Magen/Darmentleerung durch Abführmittel nötig.
Gerbstoffe verzögern die Resorption bestimmter Wirkstoffe wie z.B. ätherischer Öle und erfüllen als Nebenwirkstoffe in Pflanzen wichtige Funktionen (schwarzer Tee wirkt z.B. milder und später als Kaffee).
Vorsicht, grosse Mengen können zu Leberschäden führen! Aus diesem Grund wird bei Brandwunden oder zur Diabetesbehandlung die volksmedizinische Anwendung nicht empfohlen! z.B. Walnussblätter, Heidelbeeren und Eiche sind Pflanzen mit einem hohen Gehalt an Gerbstoffen.
Flavonoide
Bis heute konnten mehr als 300 unterschiedliche Flavonoide aus dem Pflanzenreich isoliert werden. Flavonoide spielen eine wichtige Rolle als Schutz gegen Pilz- und Virusinfektionen und sind gewöhnliche Stoffe im Stoffkreislauf der Pflanzen. Im weiteren übernehmen sie die Kontrolle der Wachstumsprozesse, wirken als Filter gegen schädliche UV-Strahlen oder übernehmen als Farbstoff die Aufgabe des Anlockens von Insekten.
Pflanzen mit einem Gehalt von 0,5-35% Flavone werden als Flavonoiddrogen bezeichnet, dazu gehören z.B. Arnika, Ginkgo, Birke, Weissdorn usw., diese besitzen unter anderem eine krampflösende, schweiss- und harntreibende Wirkung.
Einige Flavonoide haben eine kapillarabdichtende Wirkung (Hyaluronat-Lyase-Hemmung) oder sind herzwirksam, weshalb diese Stoffe auch bei hohem Blutdruck, Diabetes, Arteriosklerose oder als mildes Herztonikum Verwendung finden.
Saponine
- Saponine gehören zu den normalen Stoffwechselprodukten der Pflanzen. Saponine schäumen im Wasser und werden auch zum Waschen verwendet.
- Die Saponine wirken biologisch sehr einheitlich und sind ein starkes Zellgift; sie lösen die roten Blutkörperchen auf (Ausnahme: Süssholz) und reizen die Schleimhäute, was die Anregung der Drüsensekretion auslöst, z.B. Tränenfluss, Niesreiz.
- Ein grosser Teil der Saponine wird im Magen- Darmsystem nicht oder nur wenig resorbiert. Die Stoffe der Kornrade (Agrostemma githago) dagegen gelangen in den Blutkreislauf und wirken durch Hämolye tödlich, sie bewirken eine Blutdrucksenkung, Lähmung der Atmung und des zentralen Nervensystems.
- Einige Saponine, wie die der Primulaarten, haben eine stark antibiotische Wirkung gegen Bakterien und Pilze.
- Sie haben auch eine speziell toxische Wirkung auf Fische, indem die Kiemen für das Blut durchlässig werden und es zu einer Ausschwemmung der Blutbestandteile kommt. Einige Naturvölker nutzen diese Gegebenheit zum Fischfang.
- Durch die Saponine wird die Löslichkeit unlöslicher Stoffe gefördert, was zu einer besseren Resorption führt. Dies ist wichtig bei Gemüsepflanzen wie Spinat, Tomaten usw. Durch sie wird die Aufnahme anderer Stoffe gefördert.
- Durch die Saponine wird die Löslichkeit unlöslicher Stoffe gefördert, was zu einer besseren Resorption führt. Für Gemüsepflanzen wie Spinat, Tomaten usw. ist das wichtig, da dadurch die Aufnahme anderer Stoffe gefördert wird.
- Im Darm können Saponine auch Stoffe aus dem Blut in den Darm holen, die sogenannte "Umgekehrte Resorption". Indianer verwenden bei Schlangenbissen die Senegawurzel (Polygala senega Radix), um diese Erscheinung zu nutzen.
- Saponine werden heute vorwiegend in Hustenmitteln oder harntreibenden Mitteln eingesetzt. Die Saponine regen die Sekretion der Drüsen an, die eine Verflüssigung des Schleims bewirkt. Reflektorisch angeregt, wird das Sekret dann durch einen Hustenstoss herausbefördert.
- Man findet sie zudem in Mundwässern, Zahnpasten, Shampoos oder als schäumende Zusätze in Getränken.
Andere Stoffgruppen
Weitere Stoffgruppen finden sich in der grossen Alkaloidgruppe und in den herzwirksamen Pflanzen. Diese Heilpflanzen produzieren teilweise sehr stark wirkende Stoffe wie z.B. Atropin, Morfin, Codein oder Digitalisglykoside.
Verwendete Pflanzenteile
Die Wirkstoffe sind oft in bestimmten Pflanzenteilen konzentriert. Die Teile, die zur Zubereitung von Arzneimittel verwendet werden, bezeichnet man als "Droge". Man unterscheidet folgende Pflanzenteile:
| Flos | Blüten |
| Folium | Blätter |
| Herba | alle Pflanzenteile, ausser der Wurzel |
| Radix | Wurzeln |
| Fructus | Früchte |
| Semen | Samen |
| Cortex | Rinde |
| Bulbus | Zwiebel |







