Heilpflanzen

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Symbolbild Heilkräuter

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Eine Heilpflanze (Heilkraut oder Arzneipflanze) ist eine Pflanze oder deren Samen, die in der Pflanzenheilkunde wegen ihres Gehalts an Wirkstoffen zur Linderung von Krankheiten oder zu Heilzwecken Verwendung finden. Heilpflanzen oder deren Samen werden als Rohstoffe für Phytopharmaka in den unterschiedlichsten Formen, aber auch für Teezubereitungen, Kosmetika und  Badezusätze verwendet.
 
Dabei sollte man nie vergessen, dass Heilpflanzen stark wirkende Arzneimittel sein können!

Ätherische Öle

Ätherische Öle bestehen aus bis zu 500 verschiedenen Stoffen und immer aus einer genetisch bestimmten Mischung. Sie sind sich in Wasser, haben einen aromatischen Geruch und verdampfen leicht.
Die Öle werden durch die Schleimhaut oder Haut aufgenommen und von dort in den ganzen Körper verteilt. Die Ausscheidung erfolgt über die Nieren, Galle oder dem Atemweg. Unter den ätherischen-Öl-Pflanzen findet man folgende Anwendungs- und Wirkungsgebiete:

Bitterstoffe

Bitterstoffpflanzen regen reflektorisch die Magensaft- und Speicheldrüsensekretion an und werden ausschliesslich aufgrund ihres intensiven bitteren Geschmacks verwendet. Durch Erregung bestimmter Geschmackssensoren des Zungengrundes (bitterer Nachgeschmack) erkennt man den bitteren Geschmack. Diese Sensoren senden Signale zum Gehirn und löst reflektorisch eine Anschwellung der sezernierenden Schleimhäute aus. Bitterstoffe beeinflussen den Verdauungsprozess positiv: die Folge ist eine Zunahme des Appetits und die Förderung der Resorption der Nahrung. Typische Bitterstoffpflanzen sind Wermut und Hopfen, die z.B in Kräuterlikören und Aperitifs Verwendung finden. Voraussetzung für eine positive Wirkung ist, dass die Bitterstoffe ca. 30 Minuten vor der dem Essen verwendet werden.

Cumarin

Für den typischen Heugeruch beim Trocknen von Gras ist die Stoffgruppe Cumarin verantwortlich. Einige Cumarintypen wurden früher als Geruchs- und Geschmackstoffe in Nahrungsmittel verwendet, werden aber wegen schädlichen Nebenwirkungen für diesen Zweck nicht mehr verwendet.

"Furano cumarine" haben eine stark photosensibilisierende Eigenschaft auf die Haut. Im Sonnenlicht reagieren diese Stoffe mit der Nukleinsäure Thymin und verhindern dadurch ein Ablesen der Haut-DNA und damit ihre Vermehrung (Mitose). Nach 7-12 Stunden führt dies zur Blasenbildung und zu einem Ausschlag. Nach 2 Tagen beginnt eine vermehrte Produktion des Stoffes Melanin und es entsteht ein indirekter Bräunungseffekt. Der selbe Prozess kann auch beobachtet werden, wenn die Haut vor dem Sonnenbad mit Wiesenpflanzen, Sellerieblättern oder Eau de Cologne in Berührung kommt. "Furano cumarine" werden teilweise auch zur Behandlung von bestimmten Pigment-Anomalien oder der Schuppenflechte verwendet.

Bei Stoffen, die eine direkte Wirkung auf das DNA-Molekül haben, ist bei hohen Dosen eine krebserregende Wirkung nicht auszuschliessen. Pflanzen mit einem bestimmten Cumaringehalt werden heute auch als harntreibendes Mittel oder für eine bessere Verdauung angewendet (z.B. der Engelwurz, Pastinak, und Liebstöckel).

Gerbstoffe

Gerbstoffe werden zum Gerben von Tierhäuten verwendet. Bei diesem Prozess werden lösliche Proteine der Haut zu unlöslichen Produkten verändert.
Als pharmazeutische Wirkstoffe bilden die Gerbstoffe eine Koagulationsmembran in den obersten Schichten der Schleimhäute und des Bindegewebes. Durch das Angerben der Oberfläche kommt es zur Abdichtung der betreffenden Gewebeteile, zur Verminderung der Drüsensekretion (Mundtrockenheit), zur Herabsetzung der Reizbarkeit der Zellen und zur Reduktion der Geschmacksempfindlichkeit . Äusserlich wirken Gerbstoffe entzündungswidrig, sekretionshemmend, reizmildernd und trocknend auf Wunden und Haut. Durch Funktionsminderung der sensiblen Nervenendungen haben Gerbstoffe auch eine lokale anästhetische Wirkung, sie wirken ausserdem antibiotisch (Bakterien werden angegerbt, gehemmt und schliesslich getötet). Gerbstoffe wirken durch Adstringtion der Kapillaren auch blutstillend, deshalb werden sie äusserlich bei Wunden, bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums und Hämorrhoiden verwendet. Innerlich werden sie gegen Durchfallerkrankungen eingesetzt.
Gerbstoffe kommen auch als Gegengift bei verschiedenen Alkaloid- und Schwermetallvergiftungen zum Einsatz und bilden mit dem im Magen befindlichen Gift ein Adsorbat. Diese Adsorbate sind nicht irreversibel, deshalb ist eine schnelle Magen/Darmentleerung durch Abführmittel nötig.
Gerbstoffe verzögern die Resorption bestimmter Wirkstoffe wie z.B. ätherischer Öle und erfüllen als Nebenwirkstoffe in Pflanzen wichtige Funktionen (schwarzer Tee wirkt z.B. milder und später als Kaffee).
 
Vorsicht, grosse Mengen können zu Leberschäden führen! Aus diesem Grund wird bei Brandwunden oder zur Diabetesbehandlung die volksmedizinische Anwendung nicht empfohlen! z.B. Walnussblätter, Heidelbeeren und Eiche sind Pflanzen mit einem hohen Gehalt an Gerbstoffen.

Flavonoide

Bis heute konnten mehr als 300 unterschiedliche Flavonoide aus dem Pflanzenreich isoliert werden. Flavonoide spielen eine wichtige Rolle als Schutz gegen Pilz- und Virusinfektionen und sind gewöhnliche Stoffe im Stoffkreislauf der Pflanzen. Im weiteren übernehmen sie die Kontrolle der Wachstumsprozesse, wirken als Filter gegen schädliche UV-Strahlen oder übernehmen als Farbstoff die Aufgabe des Anlockens von Insekten.
Pflanzen mit einem Gehalt von 0,5-35% Flavone werden als Flavonoiddrogen bezeichnet, dazu gehören z.B. Arnika, Ginkgo, Birke, Weissdorn usw., diese besitzen unter anderem eine krampflösende, schweiss- und harntreibende Wirkung.
Einige Flavonoide haben eine kapillarabdichtende Wirkung (Hyaluronat-Lyase-Hemmung) oder sind herzwirksam, weshalb diese Stoffe auch bei hohem Blutdruck, Diabetes, Arteriosklerose oder als mildes Herztonikum Verwendung finden.

Saponine

Andere Stoffgruppen

Weitere Stoffgruppen finden sich in der grossen Alkaloidgruppe und in den herzwirksamen Pflanzen. Diese Heilpflanzen produzieren teilweise sehr stark wirkende Stoffe wie z.B. Atropin, Morfin, Codein oder Digitalisglykoside.

Verwendete Pflanzenteile

Die Wirkstoffe sind oft in bestimmten Pflanzenteilen konzentriert. Die Teile, die zur Zubereitung von Arzneimittel verwendet werden, bezeichnet man als "Droge". Man unterscheidet folgende Pflanzenteile:

Flos Blüten
Folium Blätter
Herba alle Pflanzenteile, ausser der Wurzel
Radix Wurzeln
Fructus Früchte
Semen Samen
Cortex Rinde
Bulbus Zwiebel