Tabak-Samen
Virginia Rauchtabak
Der echte Virginia Rauchtabak stammt aus Mittel und Südamerika. Die Pflanze wirkt durch Ihre Grösse und den rosafarbenen Glockenblüten auch als Zierpflanze sehr attraktiv.
Die Kulturansprüche sind ähnlich der Tomate - also auch bei uns ist der Tabak erntbar. Deshalb ist sehr günstiger Rauchgenuss möglich.
Echter Tabak für unsere Region für Zigaretten, Pfeifen oder Zigarren. Dieser Tabak ist nicht nur für Raucher eine sehr interessante Pflanze.
Getrocknet und in Wasser eingelegt ergibt er auch eine wirksame Spritzbrühe gegen beissende und saugende Insekten.
Wissenswertes
Tabak (Virginischer Tabak und Bauerntabak Nicotiana rustica) wurde von den Indianern nur bei kultischen Handlungen geraucht. Der alltägliche Gebrauch als Genussmittel war dort nicht verbreitet. Heutzutage wird Tabak in fast allen Ländern der Erde angebaut und konsumiert. Während seit Ende des Ersten Weltkrieges der überwiegende Teil des Tabaks in Form von Zigaretten verwendet wird, waren in früheren Zeiten Pfeifen und Zigarren sowie auch noch das Schnupfen und Kauen die verbreiteteren Formen des Tabakkonsums. Tabakprodukte unterliegen in fast allen Ländern einer erhöhten Verbrauchssteuer. In Deutschland ist der private Anbau von bis zu 99 Tabakpflanzen genehmigungsfrei. Grössere Mengen müssen beim zuständigen Zollamt angezeigt werden. Die therapeutische Verabreichung von Nicotin soll bei Alzheimer- und Parkinson-Patienten zu positiven Ergebnissen geführt haben.
nicotiana tabacum
Nicotiana tabacum (syn. Nicotiana latissima, N. macrophylla)
Solanaceae, Nicotianoideae (Nachtschattengewächse, Tabak-Geschwister) -Leformix: plt.trh.spt.mal.ros.asr.son.son.nin.ncn.tbm
Virginischer Tabak entwickelt rosarote Blüten mit 5 Blütenblättern, wobei sich die übrigen Formen zwischen 2 extremen Varietäten bewegen: Einerseits pyramidenförmig wachsende Pflanzen mit langen, gewinkelten und gewellten Blättern sowie langen Blütenkelchen, andererseits kugelförmig wachsende Varietäten mit breiten, ebenen Blättern und kurzen, glockigen Blütenkelchen.
Pharmakalogie
Der Tabak gehört zu denjenigen Pflanzen, deren Genom am besten erforscht ist. Er wird in der Gentechnik-Forschung bevorzugt, weil er weder von Mensch noch Tier verzehrt wird und deshalb nicht versehentlich in die Nahrungskette gelangen kann. Durch Veränderungen des Erbgutes entstand beispielsweise nikotinfreier Tabak; die Produktion von Medikamenten in Tabakpflanzen ist inzwischen ein ernsthafter und erfolgreicher Forschungszweig.
Nikotin erregt wie Acetylcholin Rezeptoren des Parasympathikus, wobei zwischen nikotinergen und muskarinergen Rezeptoren (N- und M-Rezeptoren) bzw. Wirkungen unterschieden wird.
Im Zentralnervensystem ruft Nicotin in mittlerer Dosierung Tremor sowie Atemstimulation hervor, in toxischen Dosen werden Krämpfe und Atemlähmung ausgelöst. Die Toxizität der Verbindung ist als sehr hoch einzuschätzen, die letale Dosis liegt bei etwa 1 mg/kg Körpergewicht. Diese Menge wird bei oraler Aufnahme von etwa 4-6 Zigaretten oder einer Zigarre erreicht. Beim Rauchen wird nur ein geringer Teil des Nicotins aufgenommen. Nicotin besitzt ein nachweisbares Suchtpotential.
Zur Giftigkeit
Der Virginische Tabak enthält in den frischen Blättern zwischen 0,1 und 4% des Alkaloides Nicotin. In den getrockneten Blättern kann der Nicotin-Gehalt somit auf etwa 9% ansteigen. Lediglich die Samen sind fast frei von Nicotin. Nicotin hat auch eine insektizide Wirkung und wurde daher früher als Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Aufgrund der hohen akuten Toxizität des Nicotins, ist man von dieser Praxis aber abgekommen. Hinsichtlich der Gewöhnung an Nicotin besteht eine Kreuztoleranz zu Cytisin, das im Goldregen (Laburnum anagyroides) enthalten ist.
Saatanleitung
Die Aufzucht ist einfach und gelingt auch ohne "grünen Daumen" problemlos. Die schnell wachsende, einjährige Pflanze treibt rosa Blüten und entwickelt bis zu 70 cm lange und 50 cm breite Blätter.
Aussaat ab März im Haus und ab Mai im Freiland, abdecken -0,1 cm- und feuchthalten. Die Keimung beginnt nach 21 Tagen, bei einer Bodentemperatur von 22 Grad. Ab dem 6. Blatt topfen / verpflanzen. Wird bis zu 2 m hoch und kann schon ab August geerntet werden.
Anzucht
Ausgesät wird der Tabaksamen zunächst auf einem Setzlingsbeet, dessen fruchtbare Erde gut gehäuft und entwässert sein soll, geschützt vor starkem Wind, aber von der Sonne beschienen. Vor dem Säen wird die Erde durch Abbrennen, Dämpfen oder chemische Hilfsmittel z. T. sterilisiert, um Insekten, Parasiten und Unkraut zu vernichten. Das Setzlingsbeet wird in warmen Zonen im Freien angelegt, ev. durch ein dünnes Baumwolltuch oder eine dünne Lage Gras, Stroh oder Piniennadeln vor nächtlicher Kühle geschützt. In kalten Regionen wird die Tabakpflanze unter einem Glas- oder Plastikdach gezogen. 17 Gramm Samen reichen für ca. 100 m2; und liefern unter günstigen Bedingungen 9 - 15 000 Setzlinge, die nach 8 - 10 Wochen eine Größe von 10 - 18 cm erreichen.
Die Setzlinge werden in einigen Gebieten durch Setzmaschinen, in den meisten Gegenden jedoch immer noch per Hand umgepflanzt. Zuvor wird die trockene Erde gewässert, falls ein Parasitenbefall zu befürchten ist ausgeräuchert. Die verschiedenen Sorten benötigen unterschiedliche Böden. Maryland-Tabak z. B. gedeiht auf sandigem oder sandig-lehmigem Boden, Burley auf Schwemmsand-Lehm- oder Ton-Lehm-Böden. Während in einigen Tabakanbau- gebieten (z. B. Florida-Georgia) dem Boden viele Nährstoffe untergemischt werden müssen, sind die meisten Böden in Osteuropa so fruchtbar, dass Pflanzen zu groß werden können für die kommerzielle Nutzung. Die unterschiedlichen Boden- und Klimabedingungen bestimmen den Charakter eines Tabaks sogar dann noch, wenn die Pflanzen aus demselben Saatbeet stammen.
Heute kommen die Geschmacksträger des Virginia-Tabaks fast ausschliesslich aus den USA, aus Brasilien, Simbabwe und Korea. Die Basistabake, die den Geschmack unterstreichen, werden vor allem in Malawi und Sambia angebaut, während die Fülltabake mit niedrigem Nikotingehalt aus Thailand, von den Philippinen und aus Indien stammen.
Die Setzlinge werden je nach Sorte in unterschiedlichen Abständen eingepflanzt, am weitesten auseinander Perique (Abstand der Reihen 1,5 m, Abstand der Pflanzen in einer Reihe 91 - 107 cm), sehr viel enger z. B. Burley (1,1 m; 38 - 68 cm). In einigen Gebieten der USA und Mittelamerikas wachsen die jungen Pflanzen unter dünnen Baumwolldächern. Wenn eine Pflanze die gewünschte Größe erreicht (für gewöhnlich ist dies der Fall mit der Blüte), wird sie evtl. beschnitten, um ein weiteres Wachstum zu verhindern.
Die optimale Zahl der Blätter variiert: dunkle, später luft- oder feuergetrocknete Tabakpflanzen sollten 10 - 16, Burley- oder Maryland-Tabakpflanzen 16 - 20 Blätter haben, wobei die unteren Blätter weniger Nikotin enthalten. Jede Pflanze stellt eine Art Qualitätspyramide dar. Die unteren Blätter etwa bis zur Mitte (Primings und Lugs, in D. Untergut und Sandblatt) galten als minderwertig, bis mit dem Trend zum leichteren Rauchen ihre den Nikotingehalt reduzierenden Eigenschaften bedeutsam wurde. Von der Mittellage (Cutters, in D. Hauptgut) über das Leaf bis zu den Tips (in D. Obergut) ganz oben steigern sich Nikotingehalt, Aroma und Duft.
Die ausschliesslich industrielle Verarbeitung des Tabaks lässt leicht übersehen, dass eine Tabakpflanze ähnlich differenziert sein kann wie ein Rebstock. Im Unterschied zur Weinherstellung, bei der Unterschiede eher herausgearbeitet als verwischt werden, verlangt der Markenartikel Zigarette einen durch Mischung erzeugten gleichbleibenden Geschmack. Selbstverständlich wären auch deutlich unterscheidbare Lagen- und Jahrgangszigaretten herstellbar.
Die Ernte erfolgt 70 - 130 Tage nach der Umpflanzung, wobei entweder die ganze Pflanze abgeschnitten wird oder die einzelnen Blätter je nach Reifezustand geerntet und auf dem Feld aufgehängt werden. (DaTabakblätter tagsüber Stärke bilden, die nachts von den Blattzellen verarbeitet wird, muss, wer Blätter mit möglichst wenig Gehalt an Stärke bekommen will, am frühen Vormittag ernten.) Dabei ist es wichtig, dass die Pflanze ein paar Stunden bis zu zwei Tage ohne Sonnenbestrahlung welken kann, da sie andernfalls brüchig würde.
Trocknung
Nach der Ernte muss Tabak getrocknet werden. Bei der Naturtrocknung (air-cured, 1 - 2 Monate) lagert der Tabak (vor allem Zigarren-, Burley- und Maryland-Tabak) in geschlossenen oder mit Jalousien versehenen Schuppen. Die Rauchtrocknung (fire-cured, 3 - 10 Wochen nachdem der Tabak 2- 6 Tage an der Luft getrocknet wurde) geschieht mit (nicht harzigen) Edelhölzern (Dark-fired, Kentucky, Latakia). Die Räuchertrocknung war die Voraussetzung für lange Schiffstransporte, obwohl Geschmack und Aroma des Tabaks stark vom Holzrauch beeinflusst wurden, bis ab 1825 Holzkohle eine unerwünschte Aromatisierung reduzierte. Erst nach dem amerikanischen Bürgerkrieg wurden Öfen mir Rauchabzug verwandt zur Heisslufttrocknung (flue-cured, bes. Virginia-Tabak), die nur 4 - 8 Tage beansprucht. Heute wird die Heisslufttrocknung vom Computer gesteuert: Zunächst erfolgt die Vergilbung der Blätter (15 - 40 Stunden bei 28° - 35° und 75 - 90% relativer Luftfeuchtigkeit), danach die Blattauftrocknung (10 - 22 Stunden bei 35° - 50° und 70 - 80% relativer Luftfeuchtigkeit), schließlich die Rippentrocknung (20 Stunden bei 55° - 70°).
Die Sonnentrocknung (sun-cured) wird vorwiegend bei Orient- und Hongkong-Tabaken, gelegentlich auch bei Virginia-Tabak angewandt. Nachdem die Blätter im Dunkeln vergilbt sind, werden sie durch Sonnenbestrahlung möglichst rasch ausgetrocknet.
Fermentierung
Auf die Trocknung erfolgt die Fermentation (Gärung). Zigarrentabak wird in der Regel in Stapeln (2 m hoch, 150 - 200 Zentner schwer, 3 - 5 mal umgestapelt) durch die Entwicklung von Eigenhitze naturfermentiert, bis die Hitze nicht mehr steigt und die Stapel abgekühlt werden. Im Frühjahr erfolgt eine zweite Fermentation durch erneutes Stapeln (Maifermentation), danach werden die Blätter zur Ausreifung (besserer Brand, weisse Asche, Geschmacksabrundung) in Ballen verpackt. Die Fermentation reduziert den Nicotingehalt der Blätter um 15 ? 30 %, bei Zigarrentabak bis zu 50 %. Je langsamer die Fermentierung erfolgt, desto mehr Zucker kann im Tabak abgebaut werden. Schneller ist das Kammerverfahren für Burley- und Schneidegut-Tabak, der 1 - 2 Wochen bei einer relativen Luftfeuchtigkeitvon 80 - 95 % einer Temperatur von 40° - 60° ausgesetzt wird. Dabei bleiben die Tabake sauer oder werden noch saurer, der Nikotingehalt vermindert sich kaum. Burley- aber auch Virginia-Tabak gewinnen durch das Kammerverfahren
an Qualität.
Zur Verbesserung der Lagerfähigkeit wird zumeist noch ein Redry-Verfahren angewandt. Dabei werden die Tabakblätter lose hängend durch ein Kammersystem geschickt. In der ersten Kammer wird der Tabak bei 70°-120° stark ausgetrocknet, bis die Blattrippen vollständig entwässert sind, danach erfolgt die Abkühlung in zwei Schlusskammern, bevor der Tabak in Ballen oder grossen Fässern verpackt wird. In einer weiteren 1-2-jährigen Lagerung, während der die Temperatur des Tabaks um 5° - 12° steigt, erfolgt die Ausreifung (Aging).
Homöopathie
Tabak enthält Nikotin, ein starkes Gift, das schwere Übelkeit verursachen kann, Erbrechen, Schwitzen, Schwindel und Herzklopfen.
Als homöopathisches Mittel wird es gegen eben diese Symptome eingesetzt.
In der Homöopathie jedoch, in verdünnter Form, kann er heilen helfen. So kann Tabacum bei Übelkeit und Schwindel, eigentlich die Symptome, die wohl jeder von seiner ersten Zigarette kennt, verwendet werden.
Tabacum wird bei bei Übelkeit und Erbrechen verwendet. Zudem wird Tabacum oft als Folgemittel von Cocculus eingesetzt, wenn der gewünschte Heilerfolg ausgeblieben ist.
Typische Anwendungsgebiete:
Bei Übelkeit, einer Magenverstimmung, auch in der Schwangerschaft, bei Reisekrankheit, oder auch bei Übelkeit durch eine Chemotherapie. Zudem akuter Durchfall oder einer chronischen Verstopfung. Man kann Tabacum übrigens auch bei schwerer Übelkeit einsetzen, die eine Folge anderer Erkrankungen ist.
Nikotin
Nikotin wirkt in niedrigen Dosen erregend an den nikotinischen Rezeptoren des vegetativen Nervensystems, z.B. den vegetativen Ganglien, motorischen Endplatten, Nebennierenmark und teilweise auch im ZNS. In hohen Dosen wird aus der erregenden Wirkung eine hemmende. Die tödliche Dosis an Nicotin beträgt bei einem Erwachsenen etwa 50 mg. Es wird auch eine tödliche Dosis von 1 mg/kg Körpergewicht angegeben.
Man kann davon ausgehen, dass in einer Zigarette ca. 10 mg und in einer Zigarre ca. 90 mg Nicotin enthalten sind. Die bedeutet dass 5 Zigaretten oder eine halbe Zigarre die tödliche Menge ist. In einem sauren Milieu ist Nicotin kaum löslich, so dass bei der enteralen Aufnahme selten mit schweren Intoxikationen zu rechnen ist. Eine Gefahr stellen in Wasser aufgelöste Reste von Rauchwaren dar, da sich das Nicotin in Wasser gut löst.
Nicotin ist unter anderem auch ein häufiger Bestandteil von Insektiziden und kann hier ebenfalls zu einer Gefahr werden. Konzentrierte Nicotinlösungen führen innerhalb von Minuten zum Tod. Falls die ersten 4 Stunden der Intoxikation überlebt werden ist die Prognose günstig. Nicotin wirkt auf die Anteile des sympathischen Nervensystem zuerst erregend, dann aber lähmend auf die vegetativen Zentren.
Oral aufgenommen kommt es zu einem Brennen im Mund und einem Wärmegefühl, das von der Magengegend ausgeht. Der Patient hat eine blasse und kühle Haut mit kaltem Schweiss. Es zeigen sich Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und ein Zittern, das bis zu schnellen Zuckungen aller vier Extremitäten gehen kann. Störungen im optischen Bereich sind ebenfalls möglich. Die Störungen des Bewusstseins können von einem Schwächegefühl und Ohnmacht bis zur Bewusstlosigkeit reichen. Der Vergiftete hat Atemnot mit einer Zyanose und Anfälle, die der Angina pectoris ähneln. Nach sehr grossen Mengen, die vor allem bei Kindern (Aschenbecher, "Zigarettenwasser") und bei Selbstmordversuchen erreicht werden, kommt es zu einem Kreislaufkollaps mit der tödlichen Lähmung der Atmung in einem sehr kurzen Zeitraum.
Gegenmassnahmen
Bei dem Intoxikiertem ist sofort medizinische Kohle zu verabreichen. Zur Sedierung und zur Unterdrückung der Krämpfe können Benzodiazepine, wie Diazepam oder Midazolam eingesetzt werden. In dem Fall, dass die Wirkung dieser Sedativa nicht ausreichend ist muss der Patient in Narkose, mit einer Relaxierung und der darauf folgenden Beatmung, gesetzt werden. Eine Unterstützung des Kreislaufes mit einer Förderung der Diurese dienen der Besserung der Vergiftung. Das Antiparkinsonmittel Biperiden hat im Tierversuch die Letalität der Vergiftung bedeutend gesenkt. Die Gabe von 1 - 2 Ampullen langsam intravenös hat sich bewährt.
Rauchtabak
Natürlich können sie sich ihren persönlichen und mit eigener Note versehenen Rauchtabak aus den getrockneten Blättern herstellen.
Aromatisierung
Grundsätzlich wird nur unfermentierter Tabak sossiert. Fermentierter Tabak kann zwar zusätzlich aromatisiert werden, die natürlichen Aromen der verschiedenen Sorten sind jedoch nuancierter und interessanter.
Bei der Sossierung werden Tabakblätter in einer zuckerhaltigen Lösung getränkt, damit sie Feuchtigkeit und Aromastoffe aufnehmen und halten und der Rauchgeschmack bei Verwendung als Zigarettenfeinschnitt saurer wird. Je nach Verwendung und Geschmack kann die Lösung weniger oder mehr zuckerhaltig sein: Für Zigarettenfeinschnitt mehr, für Pfeifenfeinschnitt etwas weniger, für Zigarrentabak sehr wenig - ihn zu sossieren ist ohnehin unüblich. Die in der Industrie verwendeten Konservierungsstoffe und Feuchthaltemittel, die auch in alten Sossierungsrezepten enthalten sind, können dabei weggelassen werden: Man stellt immer nur den Feinschnitt-Bedarf für wenige Tage her. Oft wird noch der Zusatz von Essig empfohlen, der die Tabakblätter beizt und z.B. den Nikotingehalt verringert. Dies können wir nicht empfehlen, mit Essig behandelter Tabak führt zu deutlichen Qualitätsverlusten.
Sossierung und Aromatisierung verändern den Charakter der Tabak(-Mischung) erheblich, verschiedene Sorten verlangen auch nach unterschiedlichen Inhaltsstoffen. Wir stellen im Folgenden ein altes Rezept für Virginiamischungen vor und geben Hinweise, wie dieses für andere Mischungstypen verändert werden kann.
Zunächst einmal sollten Orienttabake grundsätzlich nicht sossiert oder aromatisiert werden, da sie einen besonders hohen Gehalt an aromatischen Ölen aufweisen. Edle Virginiatabake wie Virginia-Helena oder Burley-Sorten benötigen wenig Sosse, wenig poröse Tabake wie die dunklen luftgetrockneten Sorten auch in Mischung mit Burley viel. Grundsätzlich müssen Sossen und Aromen gleichmässig aufgetragen werden, was am besten mit dem Zerstäuber geschieht. Werden die Blätter durch die aromatisierte Sossenlösung gezogen, müssen sie vor der Weiterverarbeitung eine Woche lagern. Beim Besprühen empfiehlt sich, die Blätter mindestens einen Tag liegen zu lassen, damit die Feuchtigkeit durch das Blatt ziehen kann. Besser ist auch hier die Lagerung über mehrere Tage, damit noch letzte Gärungsprozesse in Gang kommen können.
Grundstoffe für Sossen sind in erster Linie Wasser, Rohrzucker oder Rohrzuckersirup und Invertzucker; Honig gibt der Süsse ein besonderes Aroma. Die zusätzlichen Aromen bestehen aus ätherischen Ölen in alkoholischer Lösung (z.B. Orangenöl, Vanille, Anis, Arnika oder Lakritze), Kakaopulver oder besser -Extrakt, Spirituosen wie Rum oder Whisky, schwerer Rotwein (etwa Merlot), Kräuter wie Waldmeister oder gedörrten Früchten (Feigen, Pflaumen usw.). Ein besonderer Tipp ist dabei der Zusatz von Lavendelblättern. Für unsere Bedürfnisse können Sossierung und Aromatisierung in einem Arbeitsgang erfolgen, indem die Aromastoffe in der Sosse gelöst werden.
Rezept
Für unsere erste Sosse werden etwa 1/2 bis 3/4 Pfund Zucker und Honig je Liter Wasser verwendet, alternativ können nach dem alten Rezept auch reinen Johannis- oder Stachelbeerwein verwendet werden (teuer!).
Man stelle für die Aromatisierung einen Sud aus folgenden Zutaten her, die nach Geschmack verändert werden können:
- 1 l Wasser,
- 60 g gedörrte Pflaumen oder Zwetschgen,
- 125 g Rosinen oder Korinthen,
- einige Lorbeerblätter,
- etwa 10 g Wachholderbeeren, Fenchel oder Anis.
Das Ganze wird eine Stunde lang gekocht, dann durch ein Leinentuch geseiht, nach Fertigstellung wieder auf 1 Liter aufgefüllt und auf Zimmertemperatur abgekühlt. Dann wird es folgender Zuckerlösung zugesetzt:
In 1 Liter Wasser werden gelöst
- 1/2 l schwerer, dunkler Rotwein,
- 125 g Honig,
- 250 g Zucker.
Als Ergebnis erhält man knapp 3 Liter aromatisierte Sosse.
Damit werden Virginiablätter besprüht, so dass sie feucht, aber nicht nass werden. Dunkle Tabake (Geudertheimer) können stärker besprüht werden, der stark absorbierende Burley erhält nur wenig Sosse.
Den feuchten Tabak presst man in einen grossen Steinkrug oder ein anderes offenes Gefäß mit nicht zu großer Öffnung und lässt ihn eine Woche lang an einer warmen Stelle stehen. Das enghalsige Gefäss stellt sicher, dass die Blätter nur langsam trocknen. Nach einem Tag und ggf. nochmals nach 3-4 Tagen sollten die Blätter kurz herausgenommen, auseinandergeblättert, gewendet und neu eingelegt werden, damit an den zu feuchten Stellen kein Schimmel entstehen kann.
Die fertig sossierten und aromatisierten Blätter breitet man z.B. auf unbedrucktem Packpapier aus und lässt die überflüssige Feuchtigkeit verdunsten. Sollte der Tabak zu trocken sein, kann er mit destilliertem Wasser angefeuchtet werden. Die Dauer der Lagerung hängt von der Temperatur, Blattfeuchtigkeit und Form des Gefässes ab, es sollten jedoch mehrere Tage sein, damit noch einige Gärungsprozesse zum Abbau von Eiweiß und Zucker eintreten können.